Das unwürdige Zerren am Leichnam

Die Fälle, in denen sich nahe Angehörige über den Ort sowie über die Art und Weise der Bestattung streiten, nehmen zu. Nicht selten sind Anlass für den Streit die Kosten der Bestattung. Auch spielen die unterschiedlichen Bestattungsarten zunehmend eine Rolle. Je nachdem, welcher Religion der Verstorbene angehörte, sind unterschiedliche Bestattungsformen möglich. Während die jüdischen und muslimischen Traditionen eine Beerdigung vorschreiben, ist es von Seiten der protestantischen und katholischen Kirche zugelassen, zwischen der Kremation und Erdbestattung zu wählen. In der Schweiz ist es heute möglich, aus menschlicher Asche einen Diamant herzustellen. Diese Bestattungsform führte am 03.04.2007 zu einer Entscheidung des Amtsgerichtes Wiesbaden (AZ 91 C 12 74/07), das in einem Streit zwischen Tochter und Mutter des Verstorbenen zu entscheiden hatte, ob die Asche des Verstorbenen im Ausland zu einem Diamanten gepresst werden darf.

Nicht selten entscheidet auch das liebe Geld über Art und Umfang der Beisetzung. Die Kosten einer einfachen Bestattung können bei 1.500,00 € bis 2.000,00 € liegen. Die üblichen Bestattungskosten liegen zwischen 2.500,00 € und 6.000,00 €

Was folgt, ist der Streit über Art und Umfang der Beisetzung. Bis zu einer Entscheidung kann die Beisetzung nicht durchgeführt werden.

Wer ist Inhaber der Totenfürsorge?
Wer über die Bestattung bestimmt, richtet sich nach der sog. Totenfürsorge. Die Totenfürsorge ist ein absolutes Recht, welches dem Totenfürsorgeberechtigten zusteht. Der Berechtigte kann Unterlassung und Beseitigung sowie Schadensersatz von demjenigen verlangen, der gegen die Totenfürsorge verstößt. Wer die Totenfürsorge hat, trifft die maßgeblichen Entscheidungen, z.B. über den Ort der Bestattung sowie über die Art und Weise.

Es stellt sich also die Frage, wer Inhaber der Totenfürsorge ist. Grundsätzlich ist das derjenige, der von dem Verstorbenen zu Lebzeiten hierfür bestimmt worden ist. Dies muss nicht unbedingt der Erbe sein, vielmehr kann der Erblasser auch bestimmen, dass seine Lebensgefährtin die Totenfürsorge erhält.

Fehlt eine ausdrückliche oder mutmaßliche Bestimmung, so obliegt die Totenfürsorge dem nächsten Angehörigen des Verstorbenen. Dies sind der Ehegatte, die volljährigen Kinder, die Eltern, Großeltern, die volljährigen Geschwister oder Enkelkinder. Die Reihenfolge, in der die Angehörigen zur Entscheidung berufen sind, bemisst sich nach den Vorgaben des § 2 Abs. 3 des Gesetzes über die Feuerbestattung vom 15.05.1934. Diese Regelung ist Ausdruck einer Grundwertung des Gesetzgebers und wurde zwischenzeitlich von der Rechtsprechung und den meisten landesrechtlichen Bestattungsgesetzen übernommen. Danach haben für die Bestattung die Angehörigen in folgender Reihenfolge zu sorgen:

– Ehegatte
– volljährige Kinder
– Eltern
– Großeltern
– volljährige Geschwister
– Enkelkinder

Somit geht der Wille des überlebenden Ehegatten, dem der Verwandten und Kinder, insbesondere auch dem der Eltern und Geschwister vor. Der Wille der Kinder und ihrer Ehegatten geht demjenigen der übrigen Verwandten, der Wille näherer Verwandter oder des Verlobten demjenigen weiterer Verwandter vor. Der Wille des überlebenden Ehegatten hat also absoluten Vorrang. Fehlt ein Ehegatte ist der Wille der Kinder maßgeblich. Die Reihenfolge gilt unabhängig davon, ob die Angehörigen Erben geworden sind oder nicht.

Von der Totenfürsorge ist im Übrigen zu trennen die Frage, wer die Bestattungskosten zu tragen hat. Diese Kosten treffen regelmäßig den Erben.

Wie kann ein derart unwürdiger Verlauf vermieden werden?

Vorrang der Anordnungen des Verstorbenen.
Vorrangig steht es dem Verstorbenen zu, sowohl den Ort der Bestattung zu Lebzeiten festzulegen wie auch die näheren Einzelheiten der Bestattung selbst (Lage der Grabstelle, Ausschmückung, Gestaltung und Inschrift des Grabdenkmals). Dieses Recht ist ein Ausfluss des Persönlichkeitsrechts und eine Ausprägung der natürlichen Handlungsfreiheit, denn die Vorsorge des Lebenden für die Zeit nach seinem Tod gehört zu dieser natürlichen Handlungsfreiheit.

Ob der Verstorbene diesen Willen in einer letztwilligen Verfügung, lediglich mündlich oder gar konkludent, z.B. durch den Erwerb einer Grabstelle oder im Abschluss eines Bestattungsvertrages kundgetan hat, spielt keine Rolle. Es genügen Umstände und Tatsachen, aus denen ein bestimmter Wille des Verstorbenen hinsichtlich des Ortes und der Art und Weise seiner Bestattung gefolgert werden kann.

Der Erblasser kann in seinem Testament im Wege der Auflage den Erben oder Vermächtnisnehmer verpflichten, die Bestattung nach seinen Vorgaben durchzuführen. Will der Erblasser den mit der Auflage verpflichteten auch gleichzeitig zum alleinigen Inhaber der Totenfürsorge machen, sollte er dies im Testament klarstellen.

Der Verstorbene kann auch einem Dritten das Totenfürsorgerecht übertragen. Dieses Recht des Dritten, die Totenfürsorge wahrzunehmen, umfasst auch das Recht, notfalls eine Umbettung der Leiche vorzunehmen, um für die Bestattung an dem vom Verstorbenen bestimmten Ort zu sorgen. Dieser Dritte muss weder naher Angehöriger noch Erbe sein, es kann vielmehr auch ein Freund oder auch ein Testamentsvollstrecker sein.

Dass der Verstorbene lediglich über einen längeren Zeitraum mit einem Dritten zusammengelebt hat, reicht für die Annahme der konkludenten Übertragung der Totenfürsorge jedoch nicht aus, und auch die Einsetzung eines Dritten zum Alleinerben für sich allein dürfte nicht ausreichend sein.

Die Regelung in einem Testament hat aber folgenden Nachteil. Ein Testament ist im Todesfalle oft nicht sofort auffindbar, die Eröffnung eines Testaments erfolgt meist erst nach der Bestattung. Es ist daher dem Erblasser zu empfehlen, die Anordnungen für seine Beerdigung und die totenfürsorgeberechtigten Personen in einem gesonderten Schriftstück zu bestimmen und dies an einem den totenfürsorgeberechtigten Personen bekannten Platz aufzubewahren.

Schließlich kann die Art und Weise der Bestattung auch in einem Bestattungsvorsorgevertrag von dem Betroffenen geregelt werden. Der Bestattungsvorsorgevertrag wird wie der normale Bestattungsvertrag mit einem Bestattungsunternehmer geschlossen. Während jedoch der Bestattungsvertrag in der Regel von den Angehörigen aus Anlass des Todesfalles mit dem Bestattungsunternehmen geschlossen wird, handelt es sich bei dem Bestattungsvorsorgevertrag um einen Vertrag, den in der Regel der Betroffene mit einem Bestatter abschließt, um bereits zu Lebzeiten seine eigene spätere Bestattung zu regeln, insbesondere auch im Hinblick auf den finanziellen Umfang.

Liegen keine Anordnungen des Erblassers vor, haben die Angehörigen die Totenfürsorge in der o.g. Reihenfolge.

Sind mehrere Angehörige gleichen Grades (z.B. mehrere Kinder) vorhanden, so müssen grundsätzlich alle die Einwilligung zu den vorgesehenen Regelungen der Bestattung erteilen. Es gibt keinen Mehrheitsbeschluss. Ist nur eines der Kinder nicht einverstanden, so verhindert dies die von den anderen beabsichtigte Verfügung. Die Ausübung des Totenfürsorgerechtes setzt nämlich die Übereinstimmung sämtlicher Berechtigter voraus.

Lässt sich keine Übereinstimmung erreichen, so wird ortsüblich bestattet, es ist also in der Regel nur die Erdbestattung zulässig und etwaige beabsichtigte andere Maßnahmen sind zu unterlassen.

Inhalt und Umfang des Totenfürsorgerechtes
Hat der Verstorbene keine Anordnungen getroffen, so sind die Angehörigen berechtigt, sowohl den Ort als auch die Art und Einzelheiten der Bestattung zu bestimmen und zu regeln. Dabei ist aber stets der mutmaßliche Wille des Verstorbenen zu beachten wie auch sein gesellschaftlicher Stand, seine persönlichen Wünsche und Interessen.